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Entwurf eines Manifests für Script Supevisor bzw. Script/ Continuity (Stand 20-12-03)

Unser Beruf war in den letzten Jahrzehnten in Deutschland einem steten Wandel unterzogen. Mit den wechselnden Berufsbezeichnungen, angefangen von Ateliersekretär*in über Script bis hin zu Script/Continuity, veränderte und erweiterte sich auch unser Aufgabenfeld zunehmend und damit einhergehend die an uns gestellten Anforderungen.

Wo es vor Jahrzehnten nur um die reine Berichterstattung ging, wurde uns schleichend eine zweite Aufgabe von der Regieassistenz übertragen: die Anschlusskontrolle. Seitdem bewältigen wir zwei Jobs in Personalunion, was mit dem Einzug der Digitalisierung und dem dadurch legerer gewordenen Umgang mit Filmmaterial und dem fast standardmäßigem Einsatz von 2 Kameras kaum mehr zu bewältigen ist. Das digitale Arbeiten mit dem iPad mag da eine kleine Hilfestellung leisten, verschiebt die Menge des Arbeitsaufwandes aber nur von einem ins andere Medium. Auch eine entsprechende Anpassung der Gagen an diese zusätzlichen Anforderungen (u. a. kommen inzwischen auch Dinge wie die Kontrolle der Bildqualität am Monitor hinzu) ist stattdessen jahrzehntelang ausgeblieben.

Mittlerweile bieten wir als Script Supervisor ein so breites Spektrum an Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, besonders im inhaltlichen/ dramaturgischen Bereichan, dass eine adäquate Gagenanpassung unumgänglich und längst überfällig ist.

Es ist unumstritten, dass es für diese Tätigkeit fast so viele Auslegungen der Aufgaben und Kompetenzen gibt, wie es Kolleg*Innen gibt, die diesen Beruf ausüben. Man weiß also weder unter den Berufskolleg*Innen noch seitensder Produktion/ Regie, was man bekommt, wenn man einen Script/ Continuity bzw. Script Supervisor vor sich hat, den man noch nicht kennt. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass es keine Ausbildung für Script/ Continuity oder Script Supervisorin Deutschland gab und gibt und damit auch keinen Standard, keine Vereinheitlichung, keinen Konsenz. Hinzu kommt, dass diese Position immer noch gern „Filmeinsteigern“ und Praktikanten überlassen wird, was die Wertschätzung unserer Tätigkeit ins Belanglose zieht.

Ohne qualifizierte Script Supervisor bzw. Script/ Continuity werden Schneideraum und Post Production mit erheblichem Zeitverlust und damit enormen Kostenaufwand für die Produktion von einer unsortierten Materialflut erdrückt. Der verlässliche und detaillierte Kommunikationsfluss zwischen Set (Regie) und Edit ist unterbrochen. Das Büro erhält keine zuverlässigen Informationen zum Drehablauf, Stand der Drehfortschritte und Buchlängen. Die Regie hat keine verlässlichen Partner an der Seite, um auf möglicherweise notwendige Einstellungen, Achssprünge, Inhalts-und Dialogfehler hinzuweisenund Präferenzen in den Schneideraum zu kommunizieren. Auch fehlt hier ein BackUpderÜberlegungen, die während des Drehs aufkommen, für den meist zeitversetzt stattfindenden Prozess des Feinschnitts. Die Departments Maskenbild, Kostüm und Requisite haben keinen Ansprechpartner, um die Szenenanschlüsse gegen zu checken und zu sortieren. Die Kameraabteilung kannsich aufdie technischen Notizen und korrekte Weitergabe aller Kamera-(und Ton-)Daten nicht verlassen.

Es steht daher außer Frage, dass die Tätigkeiten Script/ Continuity und ScriptSupervisor hochdifferenzierte Arbeitsabläufe umfassen, die jahrelanger Erfahrung bedürfen, um angemessen agieren und der Vielschichtigkeit dieses Berufes gerecht werden zu können.

Nichtsdestotrotz gibt es aber auch viele Kolleg*Innen in Deutschland, die eine inhaltlichen Zusatzleistungen, wie es dem Beruf des Script Supervisors zusteht nicht anbieten können oder kein Interesse daran haben. Und natürlich gibt es (wenn auch zu wenige) Berufsanfänger.

Um in dieser Hinsicht eine klare Qualitätsunterscheidung vorzunehmen,als auch langfristig eine höhere Gage für die Zusatzleistungeneines Script Supervisor durchzusetzen, ist der Berufsverband der Script Supervisor (BVSS) der Überzeugung, dass eine Aufspaltung in Script/Continuity und Script Supervisor gewisse Vorteile mit sich bringt.

Diese wären u.a.:

  • Viele Filmschaffende, darunter auch Produktionsleiter und Regisseure,haben leider nur eine vage Vorstellung von unserem genauen Tätigkeitsbereich. Zwei Berufsbezeichnungen mit den entsprechendklar definierten Aufgaben-und Verantwortungsbereichen machen eine Differenzierung sowohl für die anderen als auch für unsselbst klarer.
  • Hauptunterscheidungsmerkmal: Ein Script Supervisor ist neben den normalen Bewegungsanschlüssen auch der verantwortlicheAnsprechpartner für alle Gewerke im Hinblick auf inhaltliche Anschlüsse (Logik, Zeitablauf, Figurenentwicklungetc.), systemische Anschlüsse(Maske, Kostüm, Requisite, Wetter etc.) kamera-bzw. schnittrelevante Anschlüsse(Achsen, Einstellungsgrößen, Bildübergänge etc.), sowie gedrehte Texte, Schauspielleistung und Dramaturgie. Bei Script/Continuities fällt dieseAufgabe zum Großteil den Departments selbstbzw. der Regieassistenz zu.Ebenso behält ein Script Supervisor den Überblick, ob ein Bild in Bezug auf diegedrehten Einstellungen vollständig ist (Auflösungskontrolle) und erstellt grundsätzlich eigene Drehbuchauszüge, vornehmlich (und im Unterschied zu den Regieauszügen) zu inhaltlichen Zwecken.
  • Script Supervisor haben somit im Gegensatz zu Script/Continuities ein breiter gefächertes,technisches & dramaturgischesWissenundgrößereVerantwortung. Jede*r Script Supervisor kann die Aufgabe einesScript/Continuity übernehmen, aber nicht umgekehrt. Ein Script Supervisor ist somit immer als qualitative Erweiterung eines Script/Continuity zu verstehen.
  • Nicht jede*r Kolleg*In in Deutschland hat den Kenntnis-und Erfahrungsstand, um auch wirklich als Script Supervisor zu arbeiten. Bei 2 Berufsbezeichnungen/-bildern ist der Begriff des „Supervisors“ein konkretisierendes Qualitätsmerkmal.Mit nur einer einheitlichen Berufsbezeichnung wäre dies so nicht möglich.
  • Als Berufsverband bekommen wir damit insgesamtdie Möglichkeit, den anderen Filmschaffenden in der praktischen Ausübung am Set bewusst zu machen, was unsere Zuständigkeit ist und was wir alles leisten. Oder eben nicht, wenn wir „nur“ in derPosition einesScript/Continuity angestellt werden.
  • Durch diese Differenzierung lassen sich im großen Rahmen auch in den Verhandlungen mit der Produzentenallianzbessere Erfolge erzielen. Der Tarifvertrag beinhaltet bisher offiziell nur die Position „Script/ Continuity“. Anstatt bei der nächsten Tarifverhandlung sowohl eine Namensänderung (in Script Supervisor)als auch eine grundsätzliche Gagenerhöhung zu fordern, die für alle gleichermaßen gilt, könnte die Aufnahme deszusätzlichen BerufsbildesScript Supervisor in den Tarifvertrag mit entsprechend höherer Gage von Produzentenseite leichter akzeptiert werden.
  • Eine offizielle Trennung der Berufe ermöglicht auch den Produktionen eine detailliertere Kostenkalkulation und -argumentation gegenüber den Sendern.
  • Eine Separierung der Berufe macht die Jobvermittlung leichter (da spezifischer).
  • Regisseure*Innen wird je nach Bedarf die Möglichkeit gegeben, im Vorfeld zwischen einer stärker beratenden Person (Script Supervisor) oder einem herkömmlichen Script/Continuity zu wählen.
  • Auchmit dem Einzug des AD-Systems in Deutschland alsKonsequenz aus der zunehmenden Anzahl von internationalen Filmproduktionen, wäre es wenig zielführend, wenndie Bezeichnung Script Supervisor nicht der internationalen Definition entspräche. AusländischeProduktionen und 1st AD‘s könnten so sicher sein, unter der Bezeichnung Script Supervisor auchtatsächlich jemandenzu finden, der dem „internationalen Standard“ entspricht.
  • 2 Berufe mit unterschiedlichen Gagen ermöglichen einen „Karriereaufstieg“ vom Script/Continuity zum Script Supervisor, gekoppelt mit einemfinanziellenAnreiz.
  • Der Verband kann in Zusammenarbeit mit crew-united eine exakte Zuordnung nach dem Vorbild der ADU vornehmen, bei einer pauschalisierten Bezeichnung Script Supervisor ist dies nicht möglich.
  • Die detaillierte Auflistung der Tätigkeiten von Script Supervisoren und Script/ Continuities ermöglicht es Produktionsleiter*Innen, Regisseur*Innen & AD’s/ Regieassistent*Innen zuverlässiger zu entscheiden, ob für ein anstehendes Projekt die eine oder andere Tätigkeit erforderlich ist.
  • Verbindliche Basisangaben zu Vorbereitungszeiten und Gagen durch den Berufsverband bilden eine Grundlage für Kostenkalkulationen der Sender / Produktionen und machen es dem/ der Einzelnen leichter, bei Gagenverhandlungen zu argumentieren, weil es schwarz auf weiß und offiziell geschrieben steht.
  • Script Supervisor gibt es in Deutschland nicht ausschließlich im AD-System. Je nach Wunsch der Regie/ Anforderung der Produktionkann auch beim herkömmlich deutschen System ein qualifizierter Script Supervisor für einen Dreh sinnvoll sein.
  • Da das anglikanische AD-System hierzulande bisher auch nur als „Mischform“ angewandt wird, ist im Einzelfall zu entscheiden, welche Aufgaben (besonders im Hinblick auf die Erstellung sog. „Breakdowns“) hier dem Script Supervisor zufallen und welche dem 1. AD.